Michael „Lunikoff“ Regener – ein Vorbild in der Naziszene

Das rapide Anwachsen der deutschen Neonaziszene kurz nach der Wende ist nicht zuletzt auf einige Initiatoren zurückzuführen, die seit den späten Achtzigerjahren unermüdlich daran arbeiten, den Nationalsozialismus wieder salonfähig zu machen. Einer von ihnen ist Michael Regener. Der Sänger der berühmt-berüchtigten Band Landser bildete schon in der Endphase der DDR eine konspirative Gruppe mit dem Namen Die Vandalen, die bis heute existiert und vor allem in Berlin-Lichtenberg aktiv ist. Regener wirkt in der Szene bis heute und die Frage ist, wie und ob die Szene Ersatz für einen derart engagierten Nazi findet.

Rechtsrock ist ursprünglich eine englische Schöpfung, die in Bands wie Skrewdriver und Mistreat ihre Archetypen fand. Westdeutsche Oi!- und Skinheadbands schlossen sich der neonazistischen Bewegung in Teilen an. Namhafte Vertreter waren zuerst Böhse Onkelz und Kahlkopf. Doch erlitt die Szene schnell einen Rückschlag, als der Sänger von Skrewdriver, Ian Stuart, bei einem Autounfall 1993 ums Leben kam. Ein für die Szene sympathisches Aushängeschild musste her, und das war der ostdeutsche Michael Regener, der als Gitarrist und Sänger mit der Band Landser musizierte.

Die zu einem großen Teil verfassungswidrigen Texte verbanden eingängige Rhythmen mit wütendem Gesang, der über Deutschlands Grenzen hinaus seine Fans finden sollte. Es ging um Ausländerhass, Kameradschaft und Geschichtsrevisionismus. Selbst amerikanische und russische Bands ließen es sich nicht nehmen, die Lieder Regeners zu covern.

Doch im Jahre 2005 zog die deutsche Justiz ihre Konsequenzen daraus und verurteilte die Band als eine kriminelle Vereinigung, sodass sie ihre musikalische Tätigkeit einstellen und der Sänger Regener für drei Jahre und vier Monate ins Gefängnis musste.

Die rechtsextreme Musikszene Deutschlands wurde somit empfindlich getroffen. Lediglich die Band Race War schlug mit ihren Texten noch soweit über die Stränge, dass sie ebenfalls als kriminelle Vereinigung verboten wurde. Die meisten Bands jedoch halten sich an Anwälte, die ihr Liedgut auf Verfassungstreue prüfen, bevor diese veröffentlicht werden. Auch Regener geht diesen Weg.

Nach seiner Haftentlassung gründete er unter seinem nach dem DDR-Wodka benannten Pseudonym Lunikoff die Band Die Lunikoff Verschwörung. Zwar hat diese Band nicht mehr den Kultstatus wie Landser. Doch schindet sie aus zwei Gründen weiter Eindruck in der Szene. Seine fest Haltung zum Neonazismus und die Bereitschaft, für sie ins Gefängnis zu gehen, haben ihm einen Märtyrerstatus eingebracht. Und seine unermüdliche Musikproduktion führt seinen Anhängern vor Augen, dass es auch in einem Rechtsstaat Wege gibt, unbehelligt Neonazi zu sein.

Ob die Naziszene ein geeignetes Substitut für Lunikoff finden wird, nachdem dieser die Musik an den Nagel gehängt hat, ist mehr als fraglich. Sichtbare Aspiranten für diese Rolle gibt es zurzeit keine.

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