Von Job zu Job – Meine Erfahrungen

mehr-demokratie-9Das erste Beispiel eines Jobs bei dem mehr Demokratie notwendig wäre, ist meine vergangene Arbeit als Kellnerin in einem Burger-Schuppen. Ich habe dort 5 Tage die Woche in Schichten von je 6-8 Stunden gearbeitet. Ich kann mich erinnern meinem Chef oft Vorschläge gemacht zu haben, aber er nahm mich nie ernst. Nachdem ich 8 Monate lang dort gearbeitet hatte, sagte ich wir sollten den Ort wechseln, an dem das Besteck aufbewahrt wird. Das Besteck in Schubladen zu verstauen, machte es unerreichbar und es war schwierig für die Angestellten es schnell herauszunehmen. Ich sagte, dass offene Kästen auf einem Anrichtetisch ein besserer Platz dafür wären. Wenn es dort aufbewahrt werden würde, wäre es für alle besser erreichbar. Nicht nur die Angestellten würden so schneller an die Messer und Gabeln herankommen, auch die Kunden könnten sich selbst nehmen, was sie benötigen. Ok, nun sagen Sie das ist keine große Sache. Ich sage, die ist es durchaus. Nicht nur, dass es eine berechtigte und sinnvolle Idee war, das Besteck demokratisch zu platzieren, wenn man so sagen will, sodass es für alle erreichbar war, jeder sehen konnte, wo es ist und zu ermöglichen, dass jeder an das Besteck herankam, wenn er das wollte. Aber vor allem war ich verärgert über seine Reaktion.

Mal ehrlich, welchen Schaden hätte es angerichtet es einfach mal zu probieren? Seine Reaktion auf meinen Vorschlag war vollkommen autokratisch. Es schien als würde er versuchen irgendeine Art faschistischen Staat zu regieren, in dem niemand außer ihm die Regeln festlegen kann. Schließlich war es nur ein kleines bisschen Mitsprache in der Art und Weise, wie das Restaurant geführt wird, um die ich bat. NEIN, mir gehört das Restaurant nicht, aber ich habe dort gearbeitet. Ich war Teil des Unternehmens. Ich habe dazu beigetragen, dass es funktionierte und lief und Geld einbrachte. Also warum konnte er sich nicht anhören, was ich zu sagen hatte und meinen Ideen eine Chance geben?

Wissen Sie, Demokratie ist nicht nur ein Begriff für die Politik. Es ist eine Einstellung. Es ist eine Haltung anderen gegenüber. Es ist eine Art der Zusammenarbeit, um für alle das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Er war ein Idiot. Also reichte ich meine Kündigung ein.

Der nächste Job, den ich als Beispiel verwende, kam einige Jahre später. Ich arbeitete in einem Kasino. Es war eine wirklich große Einrichtung an der Grenze von Frankreich. Es war ein nobler und luxuriös aussehender Ort. Das Kasino war riesig, mit einem großen, marmornen Durchgang und einer geschwungenen Treppe, die zu einem wunderbar großen Raum mit etlichen verschiedenen Spieltischen führte. Es gab auch private Räume, welche von Spielern mit hohen Einsätzen für hochkarätige und prominente Pokerpartien genutzt wurden.

Zunächst habe ich es geliebt dort zu arbeiten, aber dann entdeckte ich wieder die Probleme, die aufkommen, wenn man in einem Job arbeiten, bei dem es keine Demokratie gibt. In dem das, was der Chef sagt, Gesetz ist.

Manchmal habe ich mir um einige der Spieler Sorgen gemacht. Es gab Gelegenheiten, bei denen sie für mehr als 10 Stunden am Stück an den Tischen waren und das Spiel nur für eine gelegentliche Toilettenpause unterbrachen oder um etwas zu essen. Ich machte mir manchmal Sorgen um einige dieser Spieler, weil sie so verbissen bei dem waren, was sie taten, dass sie nicht merkten, wie die Zeit vorüber ging oder wieviel Geld sie ausgaben.

Ich schlug meinem Chef vor, dass wir uns notieren wann jeder Spieler begann an einem Tisch zu spielen, und dass wir ihn nach einiger Zeit höflich darauf hinwiesen, wie lange er bereits spielt. Vielleicht könnte man sogar eine zeitliche Begrenzung an einem Tisch setzen, nach dessen Ablauf der Spieler den Tisch für eine Pause von 20 Minuten verlassen müsste. Ähnlich wie die Einschränkungen beim Parken. Wissen Sie, was mein Chef dazu gesagt hat?

Er sagte, wenn Leute eine Glücksspieleinrichtung besuchen wollen würden, in der Restriktionen dafür gesetzt werden, um wie viel sie spielen oder für wie lange sie spielen, dann sollten sie zu einem Online casino wechseln, denn diese Art von Richtlinie könnte dort wahrscheinlich umgesetzt werden. Er sagte, dass er niemals solch ein striktes, fast faschistisches System unterhalten würde, solange er für diese Einrichtung zuständig war.

Ich konnte es nicht glauben. Ihm war nicht klar, dass er selbst faschistisch war, indem er meine Idee sofort abschmetterte, bevor sie überhaupt getestet oder unter anderen Angestellten oder sogar unter den Kunden zur Diskussion gestellt wurde. Zumindest sah das für mich so aus.

Wie Sie sich vorstellen können, reichte ich auch für diesen Job meine Kündigung ein.

Das war vor zwei Monaten. Seitdem übernehme ich gelegentliche Putztätigkeiten für andere Leute und wasche Autos.

Ich denke, ich würde lieber für mich selbst arbeiten, als für diesen Mann, weil ich davon überzeugt bin, dass ich ein gerechterer Chef für mich sein würde, als es jemand anderes jemals sein könnte.

Sind alle Arbeitsstellen gleich?

Wie gesagt, ich bin eine Arbeiterin in ihren Dreißigern. Ich habe in vielen Jobs gearbeitet, meist für den Mindestlohn oder etwas Ähnliches. Ich habe nie wirklich mehr Geld verdient, als das, was ich zum Leben benötigte – um Miete, Steuern, Lebensmittel und Abrechnungen von Versorgungsunternehmen zu zahlen. Es lief immer ein wenig von der Hand in den Mund und manchmal habe ich das Gefühl, dass diese Existenz darauf zurückzuführen ist, dass ich in der Arbeitnehmerschaft unterschätzt werde. Wenn ich Arbeit habe, bin ich fleißig und ich habe nicht das Gefühl, dass meine Arbeit mit einem angemessenen Gehalt oder mit dem Respekt belohnt wird, den ich dafür verdiene, dass ich jeden Tag komme und die gleiche Aufgabe ausführe.

Der Grund aus dem ich frage, ob wir in unseren niederen Tätigkeiten mehr Demokratie brauchen, liegt wahrscheinlich darin, dass ich bei diesen Dienstleistungsstellen Stunde um Stunde und Tag um Tag die selben Tätigkeiten verrichte. Ich möchte, dass mein Chef mir gegenüber zugibt, dass ich meine Arbeit besser kenne als er und deshalb wünsche ich mir mehr Demokratie für die Regeln, die er aufstellt, damit ich ein größeres Mitspracherecht in Bezug darauf haben kann, wie ich meine Arbeit ausführe. So einfach ist das. Auf den folgenden Seiten werden Sie einige Beispiele dazu entdecken, wie meiner Meinung nach mehr Demokratie an Arbeitsplätzen mit geringeren Qualifikationsanforderungen dabei hilft nicht nur den Kundenservice zu verbessern, sondern auch für eine glücklichere und zufriedenere Belegschaft mit mehr Selbstachtung zu sorgen.

Warum ich hier bin und sind Arbeitsplätze fair?

Meine kleine Webseite trägt den Namen mehr Demokratie, weil ich finde, dass sie das ist, was wir im Leben benötigen. Sie ist das, was Menschen an einem Arbeitsplatz bieten sollten und sie ist das, was ich bieten würde, wenn ich ein Unternehmen führen würde.

Jeder Mensch auf der Welt möchte gut behandelt werden. Er möchte respektiert und wertgeschätzt werden und die Möglichkeit haben, belohnt zu werden, je härter er arbeitet…oder etwa nicht?

Das Problem ist aber, dass Arbeitsplätze manchmal unfair sind. Chefs können einen schlecht behandeln und nicht darauf achten einen dazu anzuspornen, das Beste aus sich herauszuholen. Manchmal werden die Angestellten nicht als Individuen gesehen, die Stärken und Schwächen haben, die man fördern und ermutigen muss und die bei ihrer Entwicklung Unterstützung benötigen.

Seit etwas mehr als 10 Jahren gehöre ich zu der Gruppe der Erwerbstätigen. Während dieser Zeit hatte ich verschiedene Jobs, von denen die meisten im Dienstleistungsgewerbe angesiedelt waren. Ich hatte nie das Glück die Möglichkeit zu erhalten, in der Schule gut ausgebildet zu werden. Ich hatte keine Eltern, die mich auf meinem Bildungsweg animierten und ich stamme aus einer Familie, in der niemand einen richtigen Beruf erlernte. Niemand aus meiner Familie ging jemals auf eine Hochschule oder Universität. Wir sind tatsächlich nur eine Familie fleißiger Arbeiter – meine Mutter und ihre Mutter vor ihr, genauso wie deren Mutter davor. Sie arbeiteten im Dienstleistungssektor als Putzfrauen, Barfrauen, Kellnerinnen und Kassiererinnen – eben Jobs dieser Art. Aber ich hatte genug davon als Bürger zweiter Klasse behandelt zu werden, einfach nur weil ich eine fleißige Arbeiterin bin und nicht die Regeln oder Autoritäten hinterfrage, unter denen ich arbeite.

Deshalb habe ich mich dazu entschieden diese Webseite zu erstellen. Ich habe das Bedürfnis mich mitzuteilen. Und die Gefühle der schweigenden Stimmen auszudrücken, die vor mir da waren und vielleicht sogar die Gefühle derjenigen, die noch nicht wissen, dass sie genauso denken.

Ich habe das Bedürfnis nach mehr Demokratie am Arbeitsplatz für normale Männer und Frauen.

Ich habe das Bedürfnis danach, dass die Menschen, die niedere Tätigkeiten ausführen, bessere Möglichkeiten haben sich gegenüber ihren Chefs auszudrücken und mit ihren Vorschlägen ernst genommen werden.

Manche Menschen werden diese Webseite als leeres Geschwätz ansehen und mir mitteilen wollen einfach damit zurechtzukommen und das Beschweren sein zu lassen. Ich denke, das ist ihr gutes Recht. Wahrscheinlich sollte ich das einfach tun. Aber ich möchte einfach für eine Weile meine Gedanken teilen und vielleicht als Resultat ein wenig ernster genommen werden. Ich weiß, dass ich nicht viel Bildung genossen habe, aber das bedeutet nicht, dass ich keine guten Ideen haben kann, die dabei helfen ein Unternehmen gut zu fuhren, oder?